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Kinderlähmung

KinderlaehmungDie sogenannte Poliomyelitis (dt.: Kinderlähmung) ist eine im Kindesalter auftretende Infektionskrankheit. Die Folge der Krankheit sind meist irreversible Lähmungen und motorische Störungen. Von den Lähmungserscheinungen sind in den meisten Fällen die Extremitäten von Kindern besonders betroffen. In schwerwiegenden Fällen kann es zur Lähmung der Atemmuskulatur kommen, was zum Tod führt. Das Versagen der Atemmuskulatur im Krankheitsverlauf der Kinderlähmung führte zur Entwicklung von maschinellen Beatmungsverfahren. Betroffene und genesene Kinder können auch Jahre später wieder an Poliomyelitis erkranken.

Was genau ist die Kinderlähmung?

Als Erreger für die Kinderlähmung gelten Polioviren und Enteroviren. Sie werden meist über Schmier- und Schmutzinfektion übertragen und befinden sich in hoher Anzahl im Rachensekret, sowie im Stuhl infizierter Personen. Ebenso kann das Virus durch kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragen werden. Die Erreger der Viruskrankheit werden in der Regel oral aufgenommen und gelten als äußerst umweltresistent. Zumeist verläuft eine Infektion mit dem Poliovirus ohne nennenswerte Symptome. Schwerere Verlaufsformen hingegen können mit Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungen einhergehen. Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt vier bis zehn Tage.

Verlaufsformen der Kinderlähmung

Unter den symptombehafteten Verlaufsformen werden drei Varianten unterschieden. Bei der Abortiven Poliomyelitis kommt es über einen Zeitraum von bis zu drei Tagen zu milden Symptomen wie Fieber, Erbrechen und Durchfall. Das Zentralnervensystem wird nicht vom Virus befallen und die Symptome klingen bei den Patienten in der Regel vollständig ab. Spricht man von einer Nichtparalytischen Poliomyelitis, dann ist auch das Zentralnervensystem von der Virusinfektion betroffen, jedoch treten noch keine Lähmungserscheinungen auf. Typisch für diese Verlaufsform des Poliovirus ist eine nach ca. einer Woche auftretende Hirnhautentzündung. Die Folgen können ein erneuter Anstieg des Fiebers, Bewusstseinstrübungen und Nackensteifigkeit sein.

Die schwerste bekannte Verlaufsform ist die sogenannte Paralytische Poliomyelitis. Sie tritt bei lediglich einem Prozent der Infizierten auf. Man spricht in diesem Fall auch von der "echten Kinderlähmung". Nach augenscheinlicher Besserung treten bei dieser Verlaufsform plötzlich und in kurzer Zeit Lähmungserscheinungen auf. Neben den äußeren Extremitäten könne auch andere Körperteile, wie beispielsweise Augenlider, Bauchmuskulatur und Brustkorb betroffen sein. Bei bis zu 20 Prozent der Erkrankten Kinder sind zudem die Atemmuskulatur oder die Hirnnerven betroffen, was zu einem tödlichen Verlauf der Viruskrankheit führt.

Patienten mit einer schweren, aber nicht tödlichen Verlaufsform leiden mitunter bis zu zwei Jahre nach der Infektion unter Symptomen. Mitunter leiden Erkrankte neben dauerhaften Lähmungserscheinungen auch an Spätfolgen wie Fehlstellungen von Gelenken oder Längendifferenzen von Armen oder Beinen. Beim sogenannten Post-Polio-Syndrom können Lähmungen auch noch Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion auftreten und gehen mit Muskelschwund und extremer Müdigkeit einher.

Diagnostik Kinderlähmung

Die Erreger der Kinderlähmung können sowohl im Rachensekret, als auch im Stuhl infizierter Personen nachgewiesen werden. Ist auch das Zentralnervensystem befallen, kann das Virus zudem aus der Hirnflüssigkeit entnommen werden. Über eine Blutabnahme kann andernfalls die Bildung von Polio-Antikörpern nachgewiesen werden, was auf eine Infektion mit dem Poliovirus schließen lässt.

Patienten müssen nach der Feststellung der Infektion zum Schutz anderer isoliert werden.

Kinderlähmung Prävention durch Impfung

Zum vorbeugenden Schutz gegen Kinderlähmung gibt es sowohl einen Lebendimpfstoff, als auch einen Totimpfstoff. Der Lebendimpfstoff (OPV) wird in Form einer Schluckimpfung verabreicht und enthält abgeschwächte Erreger. Da die Viren für einen bestimmten Zeitraum nach der Impfung mit dem Stuhl ausgeschieden werden besteht bei dieser Form der Impfung das Risiko einer Übertragung auf ungeimpfte Kontaktpersonen.

Aus diesem Grund wird in Europa seit 1998 vorwiegend auf den Totimpfstoff (IPV) zurückgegriffen. Die etwas geringere Wirksamkeit im Vergleich zum Lebendimpfstoff sind hierbei unkritisch, sofern das Virus nicht flächendeckend ausbricht. Mit IPV geimpfte Personen können allerdings als symptomfreie Virusträger fungieren, da die Impfung nicht vor der Aufnahme der Keime über den Darm, beispielsweise aus verunreinigtem Trinkwasser, schützt.

Im Allgemeinen gilt das Virus in Europa als weitestgehend ausgerottet. Aus den letzten Jahren sind allerdings zahlreiche Fälle aus Entwicklungsländern des afrikanischen Kontinents bekannt.